Das Umknicken mit dem Fuß bei einem Tennisspiel stellt keinen Unfall im Sinne des § 178 Abs. 2 VVG dar, wenn das vorangegangen

Beschluss des Kammergerichts vom 30.05.2014, Az.: 6 O 54/14, zitiert nach VersR 2015, Seite 61

Zum Sachverhalt:

Die Parteien stritten um Ansprüche aus einer privaten Unfallversicherung, die die Klägerin bei der Beklagten abgeschlossen hatte, wegen eines Umknickens mit dem Fuß bei einem Tennisspiel.

Die Klage blieb in beiden Instanzen erfolglos.

Aus den Gründen des Beschlusses des Kammergerichts vom 30.05.2014:

Entgegen der Ansicht der Klägerin erfüllt nicht schon allein die beim Umknicken erlittene Beinverletzung den Unfallbegriff. Dafür ist nach der gesetzlichen Unfalldefinition in § 178 Abs. 2 VVG, die sich mit der in Nr. 1.3 AUB 05 enthaltenen Definition deckt, vielmehr notwendig, dass die Klägerin die Gesundheitsbeschädigung „durch ein plötzlich von außen auf ihren Körper einwirkendes Ereignis erlitten hat.“ Da die Klägerin sich den Riss der Außenbänder und die Überdehnung der Innenbänder, die Ursache des behaupteten Dauerschadens wären, unstreitig nicht durch einen Sturz (Aufprall auf den Boden, vgl. dazu BGH VersR 2011, 1135 = juris Leitsatz und Tz. 12, 14) zugezogen hat, sondern während der Bewegung, liegt ein bedingungsgemäßer Unfall nur vor, wenn das Umknicken des Fußes auf ein von außen kommendes Ereignis zurückgeführt werden kann. Denn allein die körperliche Fehlbewegung, die zum Umknicken des Fußes geführt hat, reicht — obwohl in Bezug auf das Umknicken nicht willensgesteuert — für die Erfüllung des Unfallbegriffs nicht aus (BGH VersR 2009, 492 = juris Tz. 11; OLG Düsseldorf NVersZ 1999, 524 = juris Leitsatz und Tz. 10 f. = VersR 1999, 880 L; OLG Frankfurt/M. r÷s 2009, 32 = juris Leitsatz 1 und Tz. 27; OLG München MDR 1998, 1479 = juris Leitsatz und Tz. 13; OLG Hamm VersR 2008, 249 = juris Leitsatz und Tz. 20 mit Anm. von Kloth juris PR-VersR 4/2008 Anm. 4; ders. in Anm. zum Urteil des LG Dortmund juris PR-VersR 09/2009 Anm. 4).

Das LG hat deshalb zutreffend Beweis erhoben über die von der Bekl. ausdrücklich bestrittene Behauptung der Klägerin, sie sei mit dem Fuß umgeknickt, weil sie auf Blätter getreten und dort keinen ausreichenden Halt gefunden habe; diesen Beweis hat es jedoch als nicht geführt angesehen.

Praxistipp:
Wenn in einem solchen Fall der Beweis erfolgreich geführt werden soll, sollte der Verletzte die ihm mögliche Beweissicherung veranlassen, wie z.B. durch Fertigung von Fotografien der Örtlichkeit und schriftliche Dokumentation dessen, was Mitspieler bzw. evtl. vorhandene Zuschauer gesehen haben.


Autorin: Rechtsanwältin Dr. iur. Ira Ditandy
Fachanwältin für Verwaltungsrecht
Fachanwältin für Versicherungsrecht
Vertragsanwältin des Deutschen BundeswehrVerbandes e.V.
Mediatorin
Partnerin der Rechtsanwälte Neuhaus Partner Rechtsanwälte, Koblenz

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